Zwei Geburtstage - Zwei Welten

Ein Nachtrag zu meinem Geburtstag. Wie im vorletzten Blog angekündigt, werde ich diesen Eintrag meinem Geburtstag widmen, beziehungsweise den beiden Geburtstagen, die ich in Indien hatte.

Das erste Zelebrieren fand am Freitag in Vijayawada mit meinen Freunden statt und die zweite am folgenden Sonntag im Projekt mit meinen Jungs. Wie der Titel schon sagt, waren es zwei wirklich verschiedene Arten einen Geburtstag zu feiern und ich möchte sie euch gerne beide näherbringen.

Mein erster Geburtstag

Der Freitag begann damit, dass ich mein Geburtstagspaket von meiner Mama und Großeltern ausgepackt hatte. Erst ein paar Tage zuvor war es angekommen und meine Mutter hatte schon die Befürchtung, dass es mich nicht rechtzeitig erreichen würde, aber dies war (Glück für mich) nicht der Fall. So konnte ich zu meinem Geburtstag Geschenke von meiner Familie auspacken. Yeay! Was habe ich bekommen? Nun ja, meine Lieben. Ziemlich tolle Sachen 😊 Ich habe auf Wunsch Vitamintabletten, Desinfektionstücher, Kaffee und Schokolade bekommen. Aber als Überraschung Lakritze, einen Teelichthalter und eine Hängematte. Letzteres kann ich auch als Hängesitz verwenden - darauf bin ich schon gespannt 😉. Nach dem ich also schon fleißig am Geburtstagzelebrieren war, kam dann auch meine liebe Mitvolontärin Sophie mit Kaffee und Kuchen, in meinem Fall Geburtstagskeksen, dazu. Die Geburtstagskekse waren super lecker und auch ziemlich schnell verspeist. Nach einer guten Unterhaltung ging es dann auch bald mit den anderen Mitvolontären zum Brunchen. Yummy!

Dort gab es dann als "Vorspeise" für mich einen kleinen Blaubeer-Käse-Geburtstagskuchen. Diesen habe ich dann mit allen geteilt und so konnten alle sich an dieser Köstlichkeit verzehren, denn so etwas wie Käsekuchen gibt es in Vijayawada normalerweise nicht. Nach einer Gesangseinladung indischer Art haben wir dann auch zu Essen bestellt. Ich habe mir ein BLT Sandwich und Pancakes gegönnt. Zu trinken gab es einen French-Vanilla-Coffee. Das Ganze war aber so reichhaltig, dass ich ein paar Stunden mit der ganzen Energie und Fülle zu kämpfen hatte. Aber es hatte sich ABSOLUT gelohnt.

Nach einer kleinen Pause und Ausruhen in der Flat ist die weibliche Gefolgschaft einkaufen gegangen. Da die folgende Woche Ostern anstand und wir alle einen Fancy Saree brauchten, stand das ganz oben auf unserer Shoppingliste. So ging es los zur großen Einkaufsstraße, der Besant Road.

Die Besant Road
Die Besant Road

Gekauft wurden Sarees, Bindis (der berühmte Punkt auf der Stirn zwischen den Augenbrauen), Schmuck, Mehndi (Henna), Unterröcke und noch so anderer Schnickschnack. Dann ging es zum Schneider für unsere Saree-Blusen und damit war dann unsere Shopping stroll auch schon vorbei (nach gefühlten 6 Stunden haha). Abends hieß es dann nur noch entspannen, Film schauen und nichts tun.

Das war ein wirklich ein toller Geburtstag und ich danke allen, die dabei und ein Teil davon waren.

Mein zweiter Geburtstag

Geburtstage in Indien werden ein wenig anders gefeiert als wir es normalerweise kennen. Bei mir ist es normalerweise so, dass man als Geburtstagkind gefeiert wird. Das heißt man wird eingeladen, man macht all das, was einem selbst Spaß macht und was man sich wünscht und es geht an dem Tag um einen selbst. In Indien geht es zwar auch um das Geburtstagskind, aber hier gibt das Geburtstagkind etwas an die Menschen um sich herum zurück.

Einige der Geburtstagsbilder der Jungs
Einige der Geburtstagsbilder der Jungs

So wusste ich also, dass Süßes, Geschenke, ein Kuchen, und Unterhaltungsprogramm von mir erwartet wurde. Kein Problem. Den Kuchen hatte ich bei Durgu (einem Mitarbeiter von uns) in Auftrag gegeben, Schnitzeljagd und Spiele wurden von mir organisiert und Preise wurden ebenfalls gekauft. Was ich von anderen Geburtstagen davor auch wusste, war, dass es üblich ist, dass entweder für das Geburtstagskind oder gemeinsam getanzt wird. Und das wenn der Kuchen angeschnitten wird, gesungen wird. Und dass das Geburtstagskind von den Gästen mit Kuchen gefüttert wird. Somit war ich gut gewappnet und vorbereitet für den Tag.

Aber irgendwie kam es dann ganz anders.

Die Stimmung allgemein war am Sonntag, wie ich mit Lilli ins Projekt kam, nicht so geil. Ich hatte irgendwie Geburtstagsdekoration erwartet, aber die war nicht da. Durgu hatte aus irgendwelchen Gründen den Kuchen vergessen, und weil ich keinen Plan B hatte, gab es keinen offiziellen Start meines Geburtstags. So fiel auch das Singen aus.

An dem Tag gab es dann noch eine Function von Sponsoren, und so ging "mein Geburtstag" erst nachmittags los.

Als ich die Jungs zu der Schnitzeljagd motivieren konnte, fingen die von mir organisierten Spiele an. By the way: Eine Schnitzeljagd vorzubereiten ist ein Haufen Arbeit, das kann ich euch sagen! Und so war meine Erwartung an den Erfolg sehr hoch. Ob sie Spaß gemacht hat, weiß ich immer noch nicht zu 100%, denn niemand hatte sich dazu wirklich geäußert (Außer Lilli, aber sie sagt meistens aufmunternde Dinge). Aber wenigstens war die Schnitzeljagd eine Stunde vom Tag vorüber. Der Preis war eine Cola und Schreibsachen, aber ich glaube, dass das nicht das Wahre war. Die Cola, weil sie warm war, konnte nicht getrunken werden, und die Schreibutensilien habe ich seitdem Geburtstag nicht mehr gesehen. Wer weiß, was damit passiert ist.

Die Burschen waren dann auch nicht mehr so recht motiviert für irgendetwas anderes und somit war mein Geburtstag nach diesem Spiel auch schon vorüber.

Leider.

Ich hatte große Hoffnungen und Erwartungen an diesen Tag gehabt und ich wollte es allen recht machen. Vom Gefühl her, habe ich das nicht. Ich hätte gerne einen Kuchen gehabt, denn in Indien ist es Tradition, dass das Geburtstagskind mit Kuchen von allen gefüttert wird. Ich hätte gerne auch ein Ständchen gesungen bekommen, weil das hier auch so üblich ist. Und ich hätte abends gerne getanzt, aber irgendwie wurde das alles nicht so realisiert.

Ja, so ist das manchmal mit den Erwartungen und der Realität?

Warum schreibe ich das hier? Warum berichte ich euch nicht nur die gute Seite der Medaille?

Weil ich möchte, dass ihr wisst, dass es nicht nur rund geht und auch große Events voll nach hinten losgehen können. Weil ich möchte, dass wenn euch so etwas einmal (oder auch zwei- oder dreimal) passiert, dass ihr dann nicht den Kopf hängen lasst. Ja, es ist voll schite gelaufen, und Ja, es war vielleicht mein einziger Geburtstag in Indien. Aber was soll ich jetzt machen? Ich war enttäuscht. Sicher. Ich war traurig. Gar keine Frage. Aber so ist es nun einmal gelaufen. Und nachdem man sich einmal aufgeregt hat oder seinen Gefühlen anderweitig freien Lauf gelassen hat, kann man sich wieder auf das andere Wesentliche konzentrieren.

Nämlich, dass ich einen tollen Tag mit meinen Freunden verbracht habe, dass ich lecker Essen war, dass mir so viele liebe Menschen von daheim gratuliert haben, dass ich mit meiner Mama und meinem Bruder kurz nach Mitternacht telefoniert habe (was mich mega glücklich gemacht hat), dass ich Geschenke aufmachen konnte.

Und es ist ja nicht so, als ob die Jungs meinen Geburtstag vergessen hätten. Sie haben mir viele Bilder gemalt und ich habe ein tolles Video von einem Brother geschnitten bekommen, der zu diesem Zeitpunkt bei uns im Projekt war. Es gibt so vieles, für das ich dankbar sein kann.

Ich will euch nur sagen, auch wenn es bei euch einmal richtig dumm läuft, ist es total behindert. Punkt. Und ja, regt euch auf! Aber lasst es danach auch wieder gut sein. Denn vorbei ist vorbei. Und das ist OK so.

Dies ist ein Bild, dass mir sehr am Herzen liegt, denn es ist von dem Jungen, der weggelaufen ist
Dies ist ein Bild, dass mir sehr am Herzen liegt, denn es ist von dem Jungen, der weggelaufen ist

Eure Rike in Indien