Long Time No See - und eine kleine Andekdote aus dem Krankenhaus

Long Time no See. I apologize. Wieder einmal habe ich festgestellt, dass das Leben in Indien aufregend, wechselhaft und definitiv nicht beständig ist, was es für mich wieder einmal sehr schwer gemacht hat, einen Blogeintrag zu schreiben. Aber ein kurzer Umriss der letzten paar Wochen:

  • Ich war auf meinem ersten Urlaub mit Linda und Sophie (Volontärinnen in Hyderabad und meine lieben Mitvolos von VoloB) in Chennai, Pondocherry, Auroville und Mamallapuram.
  • Ich war auf meinem zweiten Weekendtrip mit allen Volos aus Vijayawada und Hyderabad in Hampi (so ein toller Ort und so ein geiles Wochenende!!!).
  • Wir hatten Besuch von Volontären aus Bangalore.
  • Ich war eine Woche alleine im Projekt Vimukthi, weil Lilli auf Urlaub war.
  • Lillis Geburtstagsfeier im Projekt
  • Father Wechsel
  • Farewell von Flo, einem Volontär, der uns als erstes verlassen hat
  • Eine verfrühte Farewell für Trijntje, weil ihr Opa gestorben ist und sie zur Beerdigung wieder zuhause sein wollte
  • Farewell für Caroline und Yamuna im Deepanivas, unsere anderen beiden Volontärinnen aus den Niederlanden
  • Lillis Krankhausbesuch


Und da bin ich gerade. Im Krankenhaus bei Lilli. Und weil sie gerade mein Harry Potter und der Stein der Weisen Hörspiel hört, nehme ich mir die Zeit endlich meinen ersten Blogeintrag seit 6 Wochen zu schreiben.

Worum soll es gehen? Nun ja, wenn wir schon einmal hier sind dann gerne um indische Krankenhäuser 😉

Das Thema ist leider nicht ganz ohne, und es können dabei grobe Missverständnisse oder Vorurteile entstehen, deswegen meine Bitte an alle Leser, genießt diesen Erfahrungsbericht als meinen Bericht, meine Erfahrung aus Sicht einer "weißen" Volontärin, die erst zweimal in einem indischen Krankenhaus war: Einmal als Patientin wegen einer Infektion und einmal (jetzt) als Begleitung. Warum ich "weiß" geschrieben habe? Das liegt daran, dass wir als AusländerInnen und hellhäutige Menschen oft anders behandelt werden als die Local People. Das kann seine Vor- aber auch Nachteile habe, aber im Krankenhaus hat es definitiv seine Vorteile.

Ein Beispiel: Als Lilli und ich ins Krankenhaus gefahren sind, wurden wir gleich von einem professionellen Mitarbeiter empfangen. Er hat sich einen kurzen Überblick verschafft und uns gleich zum leitenden Ober- oder Stationsarzt gebracht (ich kenn mich da leider zu wenig aus, wer da welche Position innehat, aber wenn der Arzt den Raum betreten hat, wurde ihm sehr viel Respekt und Achtung entgegengebracht und alle waren sofort still und haben auf seine Anweisungen gehört). Dieser hat sich, kompetent wie er war, unsere Geschichte und Schilderung der Dinge angehört und eine erste Einschätzung abgegeben. Er hat einen Haufen Test angeordert und Lilli offiziell ins Krankenhaus eingewiesen. Da Lilli mit starken Magen-Darm-Problemen ins Krankenhaus kam, meinte er, dass es besser wäre, wenn sie unter Beobachtung bliebe und ihre Medikamente und Infusionen intravenös bekommt. Gesagt, getan und ein bis zwei Stunden nachdem wir im Krankenhaus angekommen sind, lag Lilli in ihrem Krankenbett.

Ich muss leider zugeben, dass ich nicht glaube, dass die local poeple so schnell einen Arzt gesehen hätten und auch nicht so schnell eine Behandlung bekommen hätten.

Eine weite Sache, die sehr anders in indischen Krankenhäusern läuft, als ich es gewohnt bin, ist, dass man für die Behandlung, die Medikamente und alles was der Arzt benötigt, vorab bezahlt. Dafür geht man zu einem ausgewiesenen Cash Desk.

Was mich zu meinem nächsten Punkt bringt: Man geht nie alleine ins Krankenhaus. Denn: Ist man erst einmal in Behandlung und darf sein Krankenbett nicht mehr verlassen, braucht man jemanden, der einem die Medikamente bezahlt und teilweise auch holt. Man braucht jemanden, der/die bürokratischen Dinge wie Versicherung, Beschreibung des Krankheitsverlauf und der familiären Krankheitsgeschichte und ähnliches erledigt. Dies bedeutet also nun, dass es immer jemanden an der Seite des Kranken geben muss. Und das bedeutete im Umkehrschluss für uns Volontäre Schichten im Krankenhaus zu übernehmen.

Wie auch in deutschen oder österreichischen Krankenhäusern gibt es Krankenzimmer für mehrere oder für einzelne Personen und je nach dem wie viel Geld man bezahlt, erhält man eins von beiden. Lilli konnte sich ein privates Zimmer ergattern und somit auch einen Schlafplatz für die Krankenbegleitung im eigenen Zimmer. Denn bei den geteilten Zimmern, wo mehrere Patienten zusammen in einem Raum schlafen, gibt es einen separaten Schlafraum für alle begleitenden Personen.

Auch gibt es keine Cafeteria wie man es eben von zu Hause so kennt, sondern man geht zum nächsten Essensstand um die Ecke und holt sich dort etwas. Auch sind Besuche von Freunden, Angehörigen und Verwandten Gang und Gebe. Was ich aber besonders fand, war, dass Sonntag als Feiertag angesehen wird und wenn es nicht dringend nötig ist, auch der Arzt nicht unbedingt da sein muss. So ist heute Sonntag und wir warten auf die Ergebnisse aller Tests, aber der Arzt ist noch nicht da und da Sonntag ist, wissen auch die Schwestern nicht, wann er genau vorbeikommen wird.

Viel Neues. Viele neue Erfahrungen. Aber sie waren es alle wert 😉 Auch mögen diese Dinge und mein Bericht sich sehr komisch und seltsam anhören, aber im indischen Kontext macht es alles einen totalen Sinn und wirkt wie ein geschlossenes System.

Ich will nicht sagen, dass man sich an alles gewöhnt, aber vieles überrascht einen dann auch nicht mehr.

Bis zum nächsten Eintrag.

Eure Rike in Indien