Let me tell you something about India

Ich bin ja jetzt schon ein kleines Weilchen da und über die Zeit habe ich einige interessante Eindrücke über die indische Kultur sammeln können. Ich möchte hier ein paar faszinierende und spannende Eindrücke geben.

Warum einige indische Götter blau sind? Weil der Himmel/ das Himmlische blau ist. So können alle Götter blau dargestellt werden.
Warum einige indische Götter blau sind? Weil der Himmel/ das Himmlische blau ist. So können alle Götter blau dargestellt werden.

Anfangen möchte ich dazu mit einem groben Eindruck. Was mir immer wieder aufgefallen ist - und das mag auch daran liegen, dass wir direkt neben einem Supermarkt leben und da viele Menschen beobachten können - dass wenn es zu Streit zwischen zwei Indern kommt, sich alle irgendwie einmischen. Aber nicht in einer nervigen Art, sondern eher, weil die InderInnen sich als ein Kollektiv wahrnehmen und deshalb das Problem des Nachbarn auch gleich das eigene Problem ist. Und wenn sich dann Zwei auf der Straße anbrüllen und wütend sind, dann ist das auch das Problem von jedem der dort drumherum steht. Ich muss zugeben, dass ich das einerseits sehr schön finde, andererseits aber auch nicht. Denn dieses Kollektivdenken in Indien lässt die Privatsphäre schwinden. Die Tür steht potenziell für jeden offen (auch wenn man natürlich nicht hineingeht, denn das Haus gehört einem nicht, beziehungsweise kennt man dort niemanden.). Aber potenziell könnte jeder kommen und gehen. Diese Einstellung hat mich aber auch schon in tolle Situationen gebracht. Einmal war ich abends bei einem umliegenden Copyshop und nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Ladenbesitzer und der Begrüßung seiner Frau, wurden wir in ihr Haus eingeladen und durften uns dort ihren Altar ansehen und uns wurden Snacks angeboten. Also das passiert mir nicht alltäglich in Österreich oder Deutschland 😊.

Gemeinsam in der Rikshaw
Gemeinsam in der Rikshaw

Was aber mit dieser fehlenden Grenze einhergeht, ist der ständige Körperkontakt. Ich habe in Indien einen großen Anteil meiner Angst vor Körperkontakt verloren, denn hier ist man ständig in Kontakt mit anderen. Sei es in einer Rickshaw zu 17t zu fahren oder auf zu engen Plätzen im Bus zu sitzen oder sich in einem überfüllten Supermarkt durch die Gänge zu quetschen. Auch im Projekt ist man in einem ständigen Kontakt. Entweder mit den Ammas (den Betreuerinnen in den Projekten) oder den Burschen, wenn sie etwas spielen wollen, oder mit den Frauen im BVK. Körperkontakt ist stets gegeben. Auch legen die InderInnen eine gewisse Selbstverständlichkeit für diesen Körperkontakt an Tag, dass ich immer wieder staune. Bei einer Ausstellung habe ich mich einer Besucherin gut verstanden und nach 10 Minuten Unterhaltung hat sie dann einfach meine Hand genommen, weil wir ja dann Freundinnen waren. Ich habe mich da mittlerweile daran gewöhnt, aber am Anfang war das doch recht befremdlich.

So, und nun zu den kleinen Geschichten, die einem so zwischendurch erzählt werden.

Da ich ja jetzt im BVK arbeite und so viel mit Frauen zu tun habe, kam natürlich irgendwann die Sprache auf Style und Fashion. Mir war schon seit geraumer Zeit aufgefallen, dass so gut wie alle indischen Frauen ihre Haare in einem Zopf zusammengebunden tragen, meistens geflochten. Warum, fragte ich mich. Und die Antwort hat mich hart überrascht: Wenn du deine Haare nicht zusammenbindest, können Dämonen und böse Geister in dich eindringen! Jipp. So habe ich auch geschaut. Und so einfach war dann auch schon dieses Thema erledigt. 😉

Eine paar weitere interessante Bräuche.

Selfies von Unten ... Wieso?? :D
Selfies von Unten ... Wieso?? :D

Bei einem morgendlichen Frühstücksgespräch mit den Fathers aus unserem Projekt kam die Sprache auf Bräuche und Sitten. Ich hatte mich gefragt, warum einige der Burschen in unseren Projekten eine Kette aus Faden um den Bauch tragen. Meine Vermutung war, dass sie als Schlüsselkette oder Gürtel diente und weil sie aus Mangel an Materialen nichts anderes gefunden hatten, wurde es ein Faden. Falsch gedacht! Und zwar ist diese Taillenkette in traditioneller Manier aus Silber oder Gold und wird dem Kind mit der Geburt um den Bauch gelegt. Einerseits soll diese Kette vor bösen Geistern schützen, andererseits soll es dem Mann (bei uns tragen hauptsächlich nur Männer diese Kette) bei dem Ableiten von Körperflüssigkeiten helfen. Der Tradition nach werden diese Ketten erst bei dem Tod durchtrennt und abgenommen.

Ein anderer Brauch, der aber regional unterschiedlich ist, ist, wie man eine Person beerdigt. Einige Regionen beerdigen ihre Toten auf dem Bauch beziehungsweise auf dem Rücken liegend. Warum? Weil Aberglaube sehr stark verankert ist in der indischen Kultur. Als nämlich mal eine Frau in einem Dorf gestorben ist und sie auf dem Rücken liegend begraben wurde, kam eine lange Zeit kein Regen. Somit ist die Ernte schlecht ausgefallen. Da dachten die Dorfbewohner, dass die Götter verärgert wären, wie sie die Frau gegraben haben. Als dann eine weitere Frau begraben wurde, sie auf dem Bauch liegend beerdigt wurde und der Regen wiederkam, wussten die Dorfbewohner, dass es nur eine richtige Art gibt, Frauen bei ihnen zu begraben: Auf dem Bauch liegend. Aus diesem Glauben heraus, haben sich auch noch andere Traditionen herauskristallisiert. Zum Beispiel, dass an bestimmten Tagen bestimmte Opfergaben den Verstorbenen beigelegt werden.

Jipp, es existiert
Jipp, es existiert

Ein weiterer, für mich persönlich recht absonderlicher Brauch ist der Kauf und das Trinken von Kuhurin. Da die Kuh ja als heilig gilt, denken einige, dass dementsprechend auch der Urin der Kuh heilig ist und dieser getrunken werden sollte. Naja, ne ... jedem das seine.

Ein anderer Brauch/ Glaube ist, dass Niesen ein schlechtes Omen bei Hochzeiten und anderen wichtigen Feierlichkeiten ist. Um diesen entgegenzuwirken, wird oft laute Musik bei den wichtigen Akten in Zeremonie gespielt. Denn so existiert das Niesen nicht wirklich 😉

Glück soll es auch bringen mit dem rechten Bein als erstes das Haus zu betreten.

Beim Barber
Beim Barber

Wenn ein Mitglied der Familien stirbt, werden die Haare der Hinterbliebenen abrasiert. Und das heißt leider auch, dass Frauen ihre lange, schönen, geschmeidigen und schwarzen Haarpracht abschneiden müssen.

Wenn Männer einen Oberlippenbart tragen ist das ein Zeichen dafür, dass sie noch ihren Vater haben.

Man achte auf die Ketten und Ringe
Man achte auf die Ketten und Ringe
Fußkettchen sollen die Fruchtbarkeit der Frau fördern und Zehenringe bedeuten, dass sie verheiratet sind.

Noch als kleine Anmerkung: Viele der aufgezählten Bräuche sind regional unterschiedlich. Indien ist es riesiges Land, da kann es schnell zu regionalen Unterschieden kommen.

Meine schönen BVK Frauen
Meine schönen BVK Frauen
Den berühmten Punkt auf der Stirn habe ich hier bewusst ausgelassen. Aus einem einfachen Grund: Ich kenne mich zu wenig aus. Die Meinungen, die ich bis jetzt gelesen und gehört habe, gehen hier so weit auseinander beziehungsweise hat der Punkt/ die Bemalung so viele Bedeutungen, dass ich nicht recht weiß, was "wahr" ist und was nicht. Anscheinend haben die Farben der Punkte eine Bedeutung. Rot ist verheiratet, weiß ist unverheiratet, schwarz ist verwitwet. Dann gibt es noch blaue und gelbe. Einige haben auch eine religiöse Bedeutung. So sind die farblichen Zeichnungen ähnlich der Götter, die sie anbeten. So kann auch ein roter Punkt einen religiösen Aspekt darstellen. Einige Punkte sind auch Striche. Dann gibt es aber auch noch die dekorative Seite der Bindis, weshalb es für Nicht-InderInne auch OK ist, einen Bindi zu tragen. So wie für mich, wenn ich einen Saree trage 😉

So, und um meinen Blog Eintrag nicht eskalieren zu lassen, habe ich das Thema einfach mal rausgenommen.

Eure Rike